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Aktivitäten Fahrtensegeln Sommertörn mit der SY "La Luna"

Sommertörn mit der SY "La Luna"

...von  Rostock  zur  „Isle of Wight“ (GB)  und  zurück.

Der Bericht umfasst den Nachttörn vom 04.09.2003 von Den-Helder (NL) nach Borkum (D):

Lange schlafen konnte ich nicht, doch war ich ausgeschlafen genug als ich am späten Vormittag aus der Koje kroch und mir anschließend das Gesicht wusch. Frühstück heute im Cockpit, denn das Wetter meinte es gut. Sonnenstrahlen wärmten schon das Vorschiff als ich noch unter dem Schlafsack lag, den Kopf in die Kissen gehüllt und dem Ablegen anderer Schiffe lauschte. Die wenigsten werden heute den Kurs in die gleiche Richtung abstecken wie ich, wahrscheinlich gar keiner.LaLuna04

Dies fiel mir die letzten Tage schon auf, daß ich oft der Einzige war, der Anfang September in Richtung Cuxhaven unterwegs ist.

Doch nun sitze ich gemütlich im Cockpit und lasse mir das Frühstück - Müsli mit Banane und Milch - gut schmecken. Ich weiß nicht wie oft ich in meinem Leben schon diese Kombination gegessen habe. Schon als kleiner Junge gab es vor der Schule Haferflocken und das Besondere war, wenn wir welche hatten, die Banane dazu. Oft genug wurde ein Apfel oder eine Birne dazugeschnitten, doch der absolute Favorit war und ist die Banane. Hier auf dem Boot kommt mir das sehr gelegen, geht das Frühstück doch schnell und hält lange vor. Danach noch einen Tee und eine Zigarette. Während ich so dasitze drehen sich meine Gedanken schon um den bevorstehenden Törn. Ich überlege in welcher Reihenfolge ich die anstehenden  Dinge, die es gilt anzugehen, erledigen soll.

Als erstes wird mit Kanistern der Dieseltank aufgefüllt und die leeren Kanister gleich wieder an der Bootstankstelle vollgefüllt. Danach ein Blick hinter die Niedergangstreppe wo der Motor, fest verankert, im Dunkeln auf den Strom des Anlassers lauert. Bis heute sind mir Schreckensgeschichten um den Motor erspart geblieben und da dies auch weiterhin so bleiben soll wird ein Kniefall mit anschließender Verbeugung notwendig, um an all die Stellen zu gelangen die zur Kontrolle erreicht werden müssen.

„Soweit alles ok“ höre ich mich sagen. Immer öfter spreche ich laut mit mir um meine bzw. eine Stimme zu vernehmen.

Heute ist mein 36. Segeltag. Seit zwei Monaten bin ich nun unterwegs, davon 6 Wochen alleine, habe den Kanal gequert und bin zur Isle of Wight gesegelt um von dort wieder alleine über Frankreich, Belgien und der Niederlande zurück nach Den-Helder zu gelangen. Mein Ziel ist Rostock, der Heimathafen, der zwischendurch wegen anhaltender NE-Stürme unerreichbar erschien. Doch auch wunderschöne Segeltage liegen hinter mir mit traumhaften Temperaturen, beständigen raumen und halben Winden, klarem Nordseewasser und blauem Himmel.

Doch nun steht der lange Schlag von Den-Helder nach Borkum an, 100 sm die nur durch einen Nachttörn zu bewältigen sind. Zwei Nachtfahrten habe ich schon auf dem Hinweg absolviert, und so weiß ich was für mich und das Boot wichtig ist.

Die Niedergangstreppe wurde wieder verriegelt. Jetzt noch Petroleum in den Kocher, Spiritus in das Kännchen, die Steuerseile der Aries spannen und um 11.05 den Wetterbericht im Deutschlandradio verfolgen. SE bis E 3 bis 4, später 4. Hört sich gut an. Zufrieden gehe ich ins Städtchen und kaufe noch etwas Frisches ein, genehmige mir noch zwei Kaffee in der belebten Fußgängerzone und schlendere durch Gassen, an Wassergräben vorbei wieder Richtung Yachthafen. Die Autoschlangen vor dem Fähr-Anleger Richtung Texel ist auch deutlich kürzer geworden. Die Urlaubszeit geht mit großen Schritten dem Ende entgegen. Wieder zurück  werden die Einkäufe verstaut, das Kartenmaterial zurechtgelegt und der Tidenkalender und Almanach nochmals studiert. Es bleibt auch nach der Kontrollrechnung dabei: Abfahrt mit auslaufendem Strom im Texel-Fahrwasser um 16.30 Uhr.

LaLuna01Die Leinen werden um 16.15 Uhr gelöst und die Hafenmeisterin, am gegenüberliegenden  Steg, winkt mir nach und wendet sich dann wieder dem einlaufenden Schiff zu um Ihm einen Liegeplatz zuzuweisen.

Die Sonne schien und nur mit Jeans und Poloshirt bekleidet drehte ich unter Maschine „La Luna“ im großen Vorhafenbecken in den Wind. Die Leinen wurden verstaut, Fender auf dem Deck fest verzurrt und das Großsegel gesetzt.  Ich fiel ab, rollte die Genua aus, holte die Schot dicht und glitt aus dem Hafenbecken in den Texelstrom. Das Wasser nimmt hier schnell auf eine Tiefe von 40 m ab, der Strom nimmt das Schiff mit 2,5 Kn auf seine Schultern und trägt es mit Leichtigkeit.

Erst an der Ansteuerungstonne zum Den-Helder Fahrwasser nimmt der Strom auf 1 Kn ab und so segele ich, Texel querab, die Sonne raumschots in den Abend hinein.

Um 20.20 Uhr geht die Sonne rot-gelb am Horizont unter, doch vorher breitet Sie noch ein weiches, gelbliches, ja samtartiges Tischtuch über der Nordsee aus – Abendessenszeit denke ich und hole mir, die vorbereiteten belegten Brötchen und das hart gekochte Ei, dazu einen Tee, mit heißem Wasser aus der Thermoskanne aufgebrüht. Gegessen wird natürlich im Cockpit, die „Aries“ tut Ihren Dienst und so kann ich mich frei bewegen. Die lange Unterwäsche und den Wollpullover habe  ich inzwischen an, der Halogenscheinwerfer mit Verlängerungskabel wurde im Cockpit an seinem Platz eingeklemmt und das Logbuch geschrieben. Der Barometerstand ist von 1031 um 2 Punkte innerhalb der letzten 4 Stunden gefallen , der Wind hat von NW mittlerweile auf SE gedreht und  hat nun die Stärke von gut 3 Bf. erreicht. Mit einer Schrick in den Schoten läuft „La Luna“ 4,5 Kn und der Strom schiebt noch mit 0,7 mit.

Vor den Inseln ist der Strom meist nur 1 bis 1,5 Kn stark und setzt je nach Gezeit hin und her. Die großen Ströme findet man in den Gatten bzw.  Ansteuerungen wie Elbe, Weser u. Jade, Ems, Den-Helder, Maas usw. wobei einzelne Fahrwasser Strömungsgeschwindigkeiten bis zu 5 Kn erreichen können wie vor Hoek v. Holland, Dover oder Portsmouth direkt  quer vor den Einfahrten. Irgendwann erwischt es einen immer mal, daß die vorberechneten Zeiten nicht eingehalten werden können und der Strom kentert bevor das Etappenziel erreicht wird. Doch meine Devise lautete immer: „Ein Segler ist Winden ausgesetzt, nicht Fristen“. Ein Vorteil, wenn man mit genügend Zeit unterwegs ist und nicht Chartertermine einhalten muß!

Um 21.00 Uhr ist Stillwasser, der Strom gönnt sich eine Pause, bevor er den Kräften der Natur gehorchend, wieder in Bewegung gerät. „Das ist der große Unterschied zur Ostsee“, denke ich immer wieder. Das Meer lebt, es ist aktiv, es ist alles beherrschend und du musst, ob du willst oder nicht dich mit Ihm beschäftigen. Es fordert unaufhaltsam deine Aufmerksamkeit. Und so wächst  eine zarte Bande zwischen Meer und Segler, immer wachsam und beobachtend was gerade passiert.

Um 23.45 Uhr geht der Mond glutrot  unter und  es wir pechschwarz um mich herum. Das Vorschiff ist vom Cockpit aus nicht auszumachen und was vor dem Bug kommt erkennt man nur, wenn es befeuert ist. Der Sternenhimmel wird noch intensiver, leuchtender und beeindruckender als er eh schon war.

Um 24.00 Uhr habe ich den Leuchtturm von Terschelling  West querab. Der Wind hat etwas nachgelassen und so gönne ich mir einen heißen Tee, schaue in den Sternenhimmel und spüre die magische Kraft die von ihm ausgeht. „Hier wird der Mensch wieder auf Normalmaß reduziert“, denke ich. „Größenwahn und Überheblichkeit ist fehl am Platz“. Respekt vor der Natur und sie beobachten, auf der Hut sein, das sind die Attribute die zählen.

02.00 Uhr: herrliches Segeln unter 1-fach gerefftem Groß und Genua bei SE 4. Mit 5,5 Kn Fahrt schiebt sich „La Luna“ durch das Meer. An Steuerbord sind einige Lichter zu erkennen. Fischer, oder Tonnen? Ich weiß es nicht. Ist mir auch im Moment egal, denn sie sind weit genug entfernt und meine Pos.  nach GPS stimmt mit der mitgeloggten Distanz in etwa überein.

03.00 Uhr: Die Nordtonne von Ammeland  West jetzt querab. Die Zeit  geht  nur langsam vorbei. Ich lege mich auf die Backbord Koje im Salon wo ich mir ein Nachtlager eingerichtet habe. Die rote Kartentischbeleuchtung lässt das Holz der Inneneinrichtung in einem besonderen Licht erscheinen.

Den Wecker neben mir, schließe ich die Augen und spüre die Schwere im ganzen Körper. Das Schiff setzt weich in die Welle ein und das Körpergewicht drückt in die Kissen. Oben auf der Welle tritt wieder Entspannung ein und wieder setzt der Rumpf weich in die Welle........

Die rhythmischen Bewegungen sind es die mich vollends entspannen. „Jetzt bloß nicht den Schlafsack über mich legen“ denke ich, dann ist es aus und ich schlafe ein. Also wieder hoch ins Cockpit und einen Rundumblick. Alles beim Alten. Ich schalte den Halogenscheinwerfer an und schaue nach vorne auf Bug und Vorschiff, dann auf die weißen Schaumstreifen die „La Luna“ dem Meer entlockt. Dann nach achtern. Die „Aries“ steuert zuverlässig das Schiff jetzt hoch am Wind.

Die Steuerkurse schwanken jeweils um ca. 5 Grad nach Stb. und Bb. Hier macht sich der Langkiel bezahlt. „Bekneifen“ mit der Selbststeuerungsanlage geht natürlich nicht, dazu sind diese Anlagen auch nicht konzipiert. Meine Erfahrung ist, dass die Anlage umso genauer steuert, je höher das Schiff am Wind gesegelt wird. Bei raumen Winden sind schon mal 10 Grad Schlingerkurs drin. Doch sie ermöglicht die Alleinfahrt, und das ist das Maß aller Dinge. Anspruchslos, robust und keinen Strom, das ist es, aber mind. 2 Bf. sollten es bei diesem Schiff schon sein.

05.30 Uhr: Noch 13 sm bis zur Ansteuerungstonne vom Hubertgat, und gesamt noch ca. 30 sm bis in den Hafen Burkana auf Borkum. Die Dämmerung hat eingesetzt. Ich bin froh, das ich nicht in der finsteren Nacht durch dieses Gebiet muß. Der Barometerstand ist wieder um 1 Punkt gefallen. Der Wind hat weiter zugenommen: 5 Bf., Geschwindigkeit 6,0 Kn. Ich hoffe der Wind nimmt nicht noch mehr zu. Ich bin viel zu früh dran,  jetzt werde ich den Strom im Gat und in der Ems gegen mich haben!

06.15 Uhr: Das  schönste  ist: ...und  wieder geht die Sonne auf, hier auf der Nordsee...  Es ist ein herrlicher Anblick.

07.50 Uhr: Die Ansteuerungstonne vom Hubertgat weit verfehlt. „Merkwürdig“, denke ich. Nach Karte und GPS-Position LaLuna02im Vergleich zur Örtlichkeit liegen anscheinend doch erhebliche Unterschiede. Ich falle ab und steuere auf die rot-weiße Tonne zu. Während der Fahrt suche ich den Horizont schon nach der rot-grün Betonnung, die das Fahrwasser markieren soll, ab. Nichts zu sehen. In weiter Ferne kann ich eine grüne Tonne ausmachen. Doch die gehört ganz klar zum Hauptfahrwasser der Ems. Ich suche weiter und kann in weiter Entfernung gegen die Sonne eine Tonne ausmachen. Farbe? nicht zu erkennen. Ich muß anluven um den Kurs steuern zu können. Die „Aries“ wird ausgekuppelt und ich übernehme wieder selbst die Pinne. 

09.30 Uhr: Das Auge mal aufs Echolot, mal gegen die Sonne Richtung Tonne. Spannend wurde es als ich merkte, dass die nächste Tonne wieder eine Mittentonne war. Die Verwirrung war komplett. Erste Gedanken kommen auf: “Soll ich nicht besser umkehren und ins Hauptfahrwasser einbiegen?“ Vor 6 Wochen bin ich den Gegenkurs abgefahren und die Betonnung war so klar wie der Sternenhimmel heute Nacht. Wieder suchte ich den Horizont nach Tonnen ab. In weiter Ferne erblickte ich die nächste, doch von rot-grün keine Spur. Der Kurs deckte sich auch nicht mit meiner Karte und um die neu erspähte Tonne auf direktem Weg ansteuern zu können nehme ich die Genua weg und startete den Motor. Unter Maschine fahre ich bei mittlerweile 1,9 Kn Gegenstrom  3 Kn über Grund.  Entgegenkommende Segler lassen mich die Richtung der nächsten Mittentonne erahnen. Doch dazwischen kann auch ein Flach liegen. Die Karte zeigt genügend Tiefe an. Zudem ist bei auslaufendem Strom Hochwasser und so taste ich mich von Tonne zu Tonne bis zum Emsfahrwasser und nehme mit Genugtuung die zweistelligen Tiefenangaben auf dem Echolot wahr.

11.45 Uhr: Mit 30 Grad wird der Kurs gegen den Emsstrom vorgehalten und das Fahrwasser gequert. Weit und breit kein Frachter zu sehen, und ich will möglichst schnell in den Hafen. Die Fischerbalje ist gut auszumachen. Sie markiert die Einfahrt zu den Häfen von Borkum. Im großen Vorhafenbecken kommt das Groß runter, Fender und Leinen werden klariert und „La Luna“ längsseits an einem der großen Ausleger festgemacht. Im Logbuch steht:

12.40 Uhr fest im Hafen Burkana auf Borkum, Motor aus, 105 sm.

Die freundliche Hafenmeisterin schenkt mir Kaffee nach und fragt erstaunt, nachdem ich meine Geschichte erzählt habe, ob ich nicht die Meldungen über UKW verfolgt hätte. Es sei mitgeteilt worden, dass sich das Fahrwasser verändert hat und die Betonnung geändert wurde. „Wie denn, ich komme aus England“ gab ich Ihr zu verstehen. So weit reicht kein UKW!
Auszug aus der "Kurzmitteilung der DGzRS Nr. 79" Herbst/Winter 2003/2004:

Kurzmitteilung

Ein trauriges Schicksal ereignete sich nur wenige Wochen zuvor, als eine deutsche Crew von Holland kommend nachts in das Hubergat einfuhr und dieselbe, neue „Situation“ vorfand. Das Boot ist auf eine Sandbank aufgelaufen und gesunken, die Crew konnte von den „Rettern“ abgeborgen werden.

......bin ich froh, dass ich am Tag durch dieses Labyrinth bin....., trank den Kaffee aus und gönnte mir vor dem Hafenmeisterhäuschen in der herrlichen Sonne bei frischem Wind ein kaltes Bier. Wie leer der Hafen doch ist. Ist die Saison wirklich schon zu Ende?

Schlafen kann ich an diesem Nachmittag nicht. In Gedanken bin ich noch mal draußen im Hubertgat....

Abends wie gewohnt um 21.05 den Wetterbericht für den kommenden Tag gehört: „SE 4 bis 5, strichweise 6, einzelne Gewitterböen. Bis Mitternacht S um 4, einzelne Schauerböen. Der Tidenkalender und Almanach lassen mich am nächsten Tag ausschlafen: Ablegen Richtung Norderney  mit auslaufendem Strom um 11.30 Uhr.

LaLuna03


Daten zum Schiff:

Name:                    La Luna, ex „Seven Seas“, ex „Antares“

Bj:                           1963

Werft:                      Royal Huisman / Holland (noch Ronduide)

Bau Nr.:                  202 / Typ  Eurotop

Konstrukteur:         Alan H. Buchanan (GB)

Lüa:                        11,25 m

LWl:                         8,05 m

Breite:                     3,05 m

Tiefgang:                1,65 m

Gewicht:                 9,30 to

Rumpf:                    Stahl verzinkt, Rundspant

Aufbau:                   Teak

Geschichte des Bootes:

1963 kaufen die Herren Walter Thurner und Kraus Rump die „La Luna“ damals noch „Antares“ (Ausstellungsschiff auf der HISWA in Amsterdam) und segeln sie von Flensburg aus auf der Nord- und Ostsee. Mit seiner 6,5 KR Vermessung wird das Schiff Sieger des „SKAW Races 1968“.

1969 kaufte Herr H.W. Steinig das Schiff und umsegelte mit der „Seven Seas“ von  1972 bis 1977 die Welt. (siehe auch “Jeder Tag ein AbenteuerVerlag Delius Clasing).

Von 1977 bis 1979 bleibt das Schiff in Berlin.

Von 1980 bis 1986 liegt es auf Elba und in Kusadasi / Türkei.

Seit 1986 wieder in Berlin, wo es bis 1995 auf dem Trockenen steht und überholt wurde (1992 bis 1994).

1995 ging es in unseren Besitz über.

Nach der Komplettierung wurde die „La Luna“ nach Rostock verlegt und wird nun auf Ost- und Nordsee gesegelt.

 

Ekkehard Schlösser

Berlin, 08.12.2003

 
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